Gezielte Gesprächsführung bringt mehr Erfolg

Autor: Martin Lieb

In den letzten Jahren zeichnet sich ein Trend im Personal Training ab: Methoden und
Techniken des (Business)Coachings werden zunehmend von (dahingehend
ausgebildeten) Personal Trainern in das Training integriert. Und das mit gutem
Grund.

Was genau ist eigentlich Coaching?

Hier die Definition des Deutschen Verbandes für Coaching und Training e.V. (DVCT):
“Professionelles Coaching setzt ganz auf die Entwicklung individueller
Lösungskompetenz beim Klienten. Der Klient bestimmt das Ziel des Coachings. Der
Coach verantwortet den Prozess, bei dem der Klient neue Erkenntnisse gewinnt und
Handlungsalternativen entwickelt. Dabei wird dem Klienten die Wechselwirkung
seines Handelns in und mit seinem Umfeld deutlich. Coaching ist als strukturierter
Dialog zeitlich begrenzt und auf die Ziele und Bedürfnisse des Klienten
zugeschnitten. Der Erfolg von Coaching ist messbar und überprüfbar, da zu Beginn
des Prozesses gemeinsam die Kriterien der Zielerreichung festgelegt werden.“
 
Daraus lassen sich als Kernpunkte ableiten:
Coaching ist
-zielorientiertes Teamwork,
-positive Zukunftsgestaltung,
-Hilfe zur Selbsthilfe,
-die Kunst des Fragens,
-strukturierende, nützliche Beeinflussung,
-eine freiwillige, zeitlich begrenzte, methodengestützte Prozessbegleitung, die den
Klienten darin unterstützt, persönliche und selbstdefinierte(!) Ziele zu erreichen,
-Stärkung von Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung.

Chancen

Welche Chancen ergeben sich daraus für den Einsatz von Coachingtechniken
innerhalb eines zielorientiertes Personal Training, wenn es nicht nur darum gehen
soll, den Klienten in seiner körperlichen Verfassung zu stärken?
 
„Gewonnen und verloren wird zwischen den Ohren!“ – bei einem Personal Training,
dass auch die mentale Situation eines Klienten mit berücksichtigt und mit geeigneten Maßnahmen zu einer veränderten, positiven Wahrnehmung bei ihm führt, lassen sich folgende Vorteile feststellen, die langfristig wirken können:
Personal Training wird wahrgenommen als:
-disziplinübergreifende Potenzialanalyse,
-Ressourcenstärkung durch Aktivierung unbewusster Kraft- und Energiequellen,
-ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung,
-Entwicklung von Selbstkompetenz und Selbstmotivation,
-nachhaltige Lebensstil-Intervention,
-Verbesserung der eigenen Widerstandskraft,
-Entwicklung von Krisenkompetenz und Stresstoleranz.
 
Gerade angesichts der aktuellen Entwicklung, dass psychische Erkrankungen im
beruflichen und privaten(!) Umfeld stark zunehmen, kann die Stärkung der
Widerstandskraft bei Klienten zu einer attraktiven Ergänzung beim Personal Training werden. Denn Personal Trainer verfügen (im optimalen Falle) über ausreichende Authentizität und Vermittlungskompetenz um bei Klienten die vier wichtigsten Grundhaltungen zur Verbesserung der psychischen Gesundheit zu stärken:
-sich selbst vertrauen,
-optimistisch denken,
-das Leben akzeptieren,
-lösungsorientiert handeln.
 
Damit werden die wirksamsten Voraussetzungen fürs Coaching angesteuert:
Übernahme von Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit.

Welche grundsätzlichen Fähigkeiten sollte dahingehend ein Personal Trainer haben?

Coaching zeichnet sich in Abgrenzung zur klassischen Beratung eines Trainers, wie
bspw. Vermittlung von Übungen, Empfehlungen für die Ernährung, Verhaltenstipps,
durch eine klare Prozess-Orientierung aus. Diese wiederum setzen beim Trainer
Methodenwissen, Einfühlungsvermögen und soziale Kompetenz voraus. Er sollte
jederzeit in der Lage sein, bewusst, motivierend und zielorientiert mit seinem Klienten
zu kommunizieren. Er ist mit psychologischem Basiswissen menschlichen Verhaltens
vertraut, kennt die Wirkung der unbewussten Kräfte im Menschen und kann diese
nutzbar machen. Neben diesen Kompetenzen ist der Schlüssel eines erfolgreichen
Coachings in der Fähigkeit des Trainers zu finden, sich immer wieder individuell auf
die Einzigartigkeit des Klienten einzustellen und diesen am Ende jeder
Trainingseinheit dazu zu motivieren, die entwickelten Schritte zum Ziel tatsächlich zu
realisieren.

Wie lassen sich Coaching-Techniken konkret in das Training integrieren?

In erster Linie beim Auftragsgespräch bzw. der Anamnese mit dem Klienten. Wenn
der Trainer bspw. FÜNF PHASEN beim Eingangsgespräch beachtet, kann er hier
schon wichtige Voraussetzungen für ein nachfolgendes, motiviertes und
zielorientiertes Training mit dem Klienten legen. Diese Phasen bestehen aus:

Phase 1)
-Beziehung herstellen: wir vertrauen uns!
-Sinneskanäle öffnen und ein positives Klima erzeugen
-durch gezielte Aufmerksamkeitslenkung den Klienten positiv einstimmen
Phase 2)
-Ziel formulieren : was genau will der Klient erreichen?
-Das Ziel in positiven Worten formulieren: was genau / konkret soll erreicht werden?
-den Klient in einen attraktiven Ziel-Zustand führen: was ist besser als jetzt, wenn
das Ziel erreicht ist?
-falls Problem-Bewusstsein: was stattdessen? Was wäre die Lösung?“
Phase 3)
-Ressourcen/Fähigkeiten organisieren :  was braucht der Klient für die
Zielerreichung? Was hat er bereits? Was braucht er noch?
-Bewusstmachung  früherer Erfolgserlebnisse
Phase 4)
-„Ökocheck“ durchführen :  gibt es Einwände im Umfeld? Wer könnte etwas
dagegen haben?
-Überprüfung von Lösungsstrategien
-Kontroll-Fragen: Nebenwirkungen, Risiken, Preis?
Phase 5)
-Konkrete Handlungsschritte fixieren: was genau macht der Klient bis wann?
-was soll als nächstes passieren?
-wer kann ihn dabei unterstützen?
 
Sinnvoll ist es auch, eine Überprüfung der Zielvereinbarungskriterien nach einem fest definierten Zeitraum durchzuführen, um hier ggf. Anpassungen bei der Zieldefinition vorzunehmen oder Korrekturen in den Maßnahmen einzuleiten.

Welchen konkreten Nutzen hat der Personal Trainer bei der Integration von Coaching-Techniken im Training?

-er hat eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass der Klient auch tatsächlich sein Ziel
erreicht und sein Problem löst,
-durch den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zum Klienten ist eine
längerfristige Bindung möglich,
-das Training wir für den Trainer leichter, weil der Klient motivierter,
eigenverantwortlicher und mit einer höheren Bereitschaft die Empfehlungen und
Anleitungen des Trainers umsetzt,
-der Klient entwickelt selbstkompetent Lösungen, die ihn seinen gewünschten Zielen
näherbringen,
-der Klient hat eine höhere Begeisterung und Lust auf das Personal Training, weil er
von dem Nutzen überzeugt ist.

Welchen langfristigen Nutzen hat er durch die Ausbildung auch als Coach?

-Steigerung der Attraktivität und Effizienz seiner Tätigkeit,
-Aufbau eines ggf. „zweiten Standbeins“,
-Aufnahme in den „Pool“ bei Unternehmen und damit bessere Abrechenbarkeit auch
von Personal Training,
-stärkere Wettbewerbsposition gegenüber vielen anderen Fitnesstrainern,
-höheres Honorar aufgrund der höheren Qualifikation,
-ggf. nicht rentenversicherungspflichtig durch die Tätigkeit als Coach.

Gibt es Risiken beim Einsatz von Coaching im Personal Training zu beachten?

Coaching ist positive Zukunftsgestaltung und keine Psychotherapie. Grenzfälle
sollten schnell erkannt und dann in kompetente Hände weitergeleitet werden, wie
geeigneten Psychologen oder Therapeuten.
Wenn aber weniger auf die Vergangenheit eines Klienten die Aufmerksamkeit
gelenkt wird, und vielmehr alle Maßnahmen auf die Zielerreichung in der Zukunft
ausgerichtet werden, bewegt man sich in einem sicheren Bereich.

Wie kann ein Personal Trainer Coaching-Kompetenz erwerben?

Zu empfehlen ist die Ausbildung zum „Business Coach“. Hier werden Fähigkeiten
und Methodenkompetenzen erlernt, die neben dem Einsatz im unternehmerischen
Umfeld, auch für den privaten Bereich zur Anwendung gebracht werden können. Es
gibt in jeder Region geeignete Institute. Am besten einen Infoabend dort besuchen
und Gespräche führen. Idealerweise auch mit Absolventen der Ausbildung.

Für nähere Informationen zu diesem Beitrag setzt Euch bitte direkt mit
Personal Trainer Martin Lieb in Verbindung. Er war über mehre Jahre der 1. Vorsitzende des Bundesverband Personal Training.

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